Praxisformen in der Schweiz im Vergleich: Einzelpraxis, Gruppenpraxis oder Ärztezentrum – welche Struktur passt zu Ihnen?

Praxisformen in der Schweiz im Vergleich: Einzelpraxis, Gruppenpraxis oder Ärztezentrum – welche Struktur passt zu Ihnen?

Die ambulante Gesundheitsversorgung in der Schweiz befindet sich im Wandel. Neben der klassischen Einzelpraxis gewinnen Gruppenpraxen, Praxisgemeinschaften und integrierte Ärztezentren zunehmend an Bedeutung. Auch die Wahl der passenden Rechtsform – vom Einzelunternehmen bis zur Kapitalgesellschaft – wirkt sich unmittelbar auf Arbeitsalltag, Kooperationen und spätere Nachfolgeregelungen aus. Wer heute eine Praxis gründet, führt oder übergibt, steht deshalb vor zentralen Weichenstellungen: Wie viel Autonomie wünsche ich mir? Welche strategische Ausrichtung verfolgt meine Praxis? Und wie teile ich Verantwortung sowie Risiken sinnvoll mit anderen?

Einzelpraxis: maximale Freiheit, hohe persönliche Last

Die Einzelpraxis ist nach wie vor die klarste Form der Selbstständigkeit. Ärztinnen und Ärzte profitieren von uneingeschränkten Entscheidungen und einer engen Bindung zum eigenen Patientenstamm. Gleichzeitig tragen sie die gesamte organisatorische Last – von der Infrastruktur über das Personal bis zur Abrechnung. Gerade in Bezug auf Urlaub, Krankheit oder Stellvertretungen entstehen zusätzliche Risiken. Häufig wird die Einzelpraxis in ein Junior-Senior-Modell überführt, bei dem die nachfolgende Ärztin oder Arzt zunächst angestellt einsteigt und später Schritt für Schritt Verantwortung und Anteile übernimmt. Diese Form ermöglicht eine harmonische Übergabe und sichert die Kontinuität im Patientenstamm.

Praxisgemeinschaft oder integrierte Gruppenpraxis: zwei unterschiedliche Grade der Zusammenarbeit

Wenn mehrere Ärztinnen und Ärzte zusammenarbeiten möchten, entscheiden sie sich häufig zunächst für eine Praxisgemeinschaft. Diese ist rechtlich meist als einfache Gesellschaft gestaltet und bietet viel Flexibilität, da zwar Räume und Infrastruktur geteilt werden, die Abrechnungen jedoch separat geführt werden. Die Zusammenarbeit bleibt dadurch relativ unkompliziert, gleichzeitig entstehen Synergien im Alltag. Auch ein Junior-Senior-Modell lässt sich in dieser Struktur umsetzen, erfordert jedoch zusätzliche Absprachen und klare Regelungen.
Deutlich stärker integriert ist die Gruppenpraxis, insbesondere wenn sie in der Rechtsform einer AG oder GmbH organisiert ist. Hier werden Abrechnung, Prozesse, Infrastruktur und oftmals auch die medizinische Zusammenarbeit gemeinsam getragen. Eine solche Struktur ermöglicht klare Führungs- und Organisationsmodelle, eröffnet Beteiligungsmöglichkeiten für junge Ärzte, Einsteiger, Partner oder Mitarbeitende und erleichtert die langfristige Nachfolgeplanung. Durch die Trennung von Privat- und Geschäftsvermögen steigt zudem die finanzielle Sicherheit. Gleichzeitig nimmt hingegen die Komplexität zu: Organisationsausrichtung, Abstimmungsprozesse und strategische Planung erfordern eine professionelle Herangehensweise und eine stabile Managementstruktur.

Ärztezentren: integrierte Versorgung und professionelle Strukturen

Ärztezentren vereinen mehrere Fachrichtungen unter einem Dach und arbeiten häufig mit zentralen administrativen Strukturen, standardisierten Abläufen und einem breiten Leistungsangebot. Sie ermöglichen eine interdisziplinäre Behandlung, schaffen Effizienz und entlasten Ärztinnen und Ärzte organisatorisch. In den vergangenen Jahren hat ihre Verbreitung stark zugenommen, weil der administrative Druck, der Fachkräftemangel sowie das Interesse institutioneller Investoren ein professionelles und teamorientiertes Umfeld begünstigen. Gleichzeitig sind Ärztezentren kostenintensiver und unterliegen strikteren regulatorischen Anforderungen, was sorgfältige Planung und klare Verantwortlichkeiten voraussetzt.

Kapitalgesellschaft als modernes Fundament für jede Praxisform

Ob für eine Einzelpraxis, eine Gruppenpraxis oder ein Ärztezentrum – die Kapitalgesellschaft bietet ein professionelles, wachstumsfähiges Fundament. Sie trennt Privat- und Geschäftsvermögen, reduziert persönliche Risiken, ermöglicht flexible Beteiligungs- und Nachfolgemodelle und bietet zudem steuerliche Gestaltungsmöglichkeiten, etwa durch potenziell steuerfreie Kapitalgewinne bei Anteilsverkäufen. Gerade für Ärztinnen und Ärzte, die Wachstum planen, neue Standorte aufbauen oder ein professionelles Management etablieren möchten, ist die Kapitalgesellschaft eine attraktive Option. Wichtig bleibt jedoch, die kantonalen Unterschiede in Bezug auf Bewilligungen, Berufsausübung und Abrechnungsmodalitäten im Voraus sorgfältig zu prüfen.

Planung ist entscheidend – von der Gründung bis zur Nachfolge

Die Gründung, Führung und Übergabe einer Praxis ist ein komplexer Prozess, der finanzielle, steuerliche, rechtliche und organisatorische Fragen miteinander verbindet. Eine strukturierte Planung ist daher unverzichtbar. Kooperations- oder Gesellschaftsverträge, steuerliche Optimierungen, arbeitsrechtliche Regelungen, Abrechnungsmodalitäten und Exit-Szenarien sollten rechtzeitig durchdacht und professionell begleitet werden. Idealerweise beginnt die Nachfolgeplanung fünf bis zehn Jahre vor der eigentlichen Übergabe, um steuerliche Vorteile auszuschöpfen, rechtliche Stolpersteine zu vermeiden und den Wert der Praxis zu sichern.

Welche Struktur passt zu Ihnen?

Die ideale Praxisform ergibt sich immer aus der eigenen Strategie. Wer maximale Unabhängigkeit sucht und über einen klar definierten Patientenstamm verfügt, findet in der Einzelpraxis das passende Modell. Wenn Infrastruktur und Risiko geteilt werden sollen, bietet die Praxisgemeinschaft einen unkomplizierten Zugang zur Zusammenarbeit. Für Ärztinnen und Ärzte, die eine geregelte Stellvertretung, Effizienzgewinne und ein gemeinsames Auftreten im Markt wünschen, ist die Gruppenpraxis die zielführende Form. Wer interdisziplinär arbeiten oder einen zentralen Versorgungsstandort aufbauen möchte, profitiert von einem Ärztezentrum. Wenn darüber hinaus Wachstum, Risikominimierung und professionelle Strukturen im Vordergrund stehen, ist die Kapitalgesellschaft das geeignetste Fundament.

Fazit

Die Wahl der Rechts- und Organisationsform ist eine zentrale Entscheidung für jede Arzt- oder Zahnarztpraxis – sowohl beim Einstieg in die Selbstständigkeit als auch bei der späteren Übergabe. Entscheidend ist letztlich die Frage, welche Versorgungs- und Wettbewerbsstrategie verfolgt wird: Welche Leistungen sollen erbracht werden, welche Zielgruppen werden angesprochen und wie viel Verantwortung soll im Team geteilt werden? Eine klare Sicht auf diese Fragen führt zur passenden Struktur und legt den Grundstein für eine erfolgreiche Zukunft.
Die Brenner Treuhand AG begleitet Ärztinnen und Ärzte umfassend – von der Gründung über die Wahl der geeigneten Rechtsform bis hin zur erfolgreichen Praxisnachfolge. Wer sich vertiefende Einblicke und eine strukturierte Orientierung wünscht, kann über unser Kontaktformular unsere Checkliste anfordern, indem der Vermerk «Checkliste» angegeben wird.

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